Ganz in der Nähe der hellen Fabrikhallen fliesst die Aare. Wegen der Nähe zum Fluss liegt der Grundwasserspiegel hier nur wenige Meter unter der Erde. Das macht sich die Schenker Storen AG zunutze und heizt ihre Gebäude mithilfe moderner Grundwasser-Wärmepumpen – ein Nachhaltigkeitsprojekt par excellence.
Mithilfe von Pulverbeschichtung werden Aluminiumstoren nach Wunsch in vielen Farben beschichtet.
Einige Meter weiter hinten schlängelt sich der Fluss in Richtung Aarau. Dahinter ist der Kühlturm des Kernkraftwerks Gösgen zu erkennen. An einer kleinen Aareschlaufe im solothurnischen Schönenwerd liegen die Gebäude der Schenker Storen AG. Von aussen ist nur schwer zu erraten, an was in den Produktionshallen gewerkt wird, der Name aber lässt keine Zweifel. In der Schweiz ist die Firma eine feste Grösse: Jeder dritte Neubau enthält Produkte aus dem Hause Schenker Storen. Das Unternehmen vertreibt Lamellenstoren, Markisen, Pergolas, Klapp- und Schiebestoren und immer häufiger auch Steuerungssysteme für ein elektronisch gelenktes Zuhause. Im Showroom können sämtliche Produkte angeschaut und angefasst werden: Massanfertigungen in jeder erdenklichen Farbe, Insektenschutzrollos oder Lamellenstoren, die sich innert Sekunden automatisch hochziehen. Solche Systeme sollen den Menschen einerseits das Leben vereinfachen, andererseits zielen sie auf eine effizientere Energienutzung ab. Werden Storen systematisch eingesetzt, um im Sommer Sonnenlicht abzuhalten oder es im Winter einzulassen, verbessert das das Raumklima. Gleichzeitig wird Energie gespart, weil man weniger heizen oder kühlen muss. «Unsere Produkte sind also ökologisch», sagt Helmut Jehle, CEO der Schenker Storen AG: «Da liegt es in der Natur der Sache, dass wir auch im Betrieb nachhaltig und verantwortungsbewusst wirtschaften.»
Die Bemühungen um eine nachhaltige und energieeffiziente Produktion erkennt auch Patrick Fehlmann. Zusammen mit EnAW-Berater Daniel Meier berät er die Schenker Storen AG seit 2003 in deren Energie-Management: «Sie denken sehr langfristig und haben ihre Energie- und CO2-Bilanz während der letzten Jahre ständig verbessert.» Dieses Vorgehen entspricht der Zielvereinbarung zur Erreichung der Klimaziele, welche die Firma mithilfe der EnAW mit dem Bund abgeschlossen hat. Mit dem Neubau des Bürogebäudes wurde 2012 die erste Wärmepumpe in Betrieb genommen. Der günstigen Lage im Aaregebiet wegen entschied man sich für eine Grundwasser-Wärmepumpe. Dirk Gebauer ist verantwortlich für das Qualitätsmanagement im Unternehmen. Dazu gehört auch, die Produktion möglichst energieeffizient zu halten. «Das Grundwasser ist hier ganz nah, die Bohrungen sind nicht einmal zehn Meter tief», erklärt er. Das Wasser wird bei zwölf Grad Celsius abgepumpt und mit acht Grad Celsius wieder zurückgeführt. Dieser Unterschied reicht aus, um die Gebäude im Winter zu heizen. Im Sommer wird das Grundwasser zum Kühlen benutzt.
Wer Grundwasser nutzen möchte, muss eine Konzession lösen, welche die Menge des erlaubten Nutzungsvolumens regelt. Um noch stärker von fossilen Brennstoffen wegzukommen, seien weitere Lösungen diskutiert worden, erinnert sich Energieberater Fehlmann. Die Grundwasser-Konzession war nach dem Bau der ersten Wärmepumpe noch nicht ausgeschöpft und Versuche hatten ergeben, dass tatsächlich noch genug Wasser vorhanden war. Eine zweite Wärmepumpe wurde an den bestehenden Brunnen angehängt und 2018 eingeweiht. Gebauer führt aus: «Heute heizen wir sämtliche Gebäude hier am Standort mit Energie aus dem Grundwasser.» Seitdem die Wärmepumpe läuft, ist der Erdgasverbrauch um 54 Prozent zurückgegangen – und das bei steigender Produktion. Die Firma spart so jährliche Energiekosten im Wert von 20 000 Franken. Zwar steckt dahinter keine geringe Investition, aber CEO Jehle relativiert: «Natürlich müssen solche Massnahmen wirtschaftlich sein, aber hier sind wir durchaus bereit, längere Payback-Zeiten in Kauf zu nehmen.» Die Investition beeinflusst auch den CO2-Ausstoss der Firma: Die Emissionsziele aus der Zielvereinbarung werden jedes Jahr übertroffen.
Bei der Schenker Storen AG ist die Verbesserung der eigenen Nachhaltigkeit ein ständiges Thema. Die Beratung helfe dabei enorm, meint Gebauer: «Ohne die EnAW wäre unser Job schwieriger. Das sind Experten, die nochmals einen ganz anderen Blick auf das Ganze werfen.» Das rege viele Ideen an und sei sehr bereichernd. Im Gegenzug profitiert auch die EnAW von den umgesetzten Massnahmen: Das Vorzeigeprojekt in Schönenwerd könnte auch andere Unternehmen inspirieren. Solche Anschauungsbeispiele seien für die EnAW sehr nützlich, sagt Meier, «die gemachten Erfahrungen können wir dann andernorts weitergeben». Die Zukunft wird weitere Herausforderungen bringen, bei der Schenker Storen AG ist man mit der EnAW an der Seite aber gut dafür aufgestellt.

17.04.2026
Das Wichtigste in Kürze
Die Schenker Storen AG hat über die EnAW eine Zielvereinbarung mit dem Bund abgeschlossen und sich dazu verpflichtet, ihre Energieeffizienz zu steigern und den CO2-Ausstoss zu senken.
Mit einer neuen Grundwasser-Wärmepumpe konnte der Erdgasverbrauch für die Gebäudeheizung um über 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesenkt werden.
Dank der Zusammenarbeit mit der EnAW hat das Unternehmen seine Energieeffizienz und die CO2-Bilanz kontinuierlich verbessert und die vereinbarten Ziele bereits erreicht.
«Nachhaltigkeit» hat bei der Chocolats Camille Bloch SA, deren Schokoladenspezialitäten sich seit den 1940er-Jahren ungebrochener Beliebtheit erfreuen, viele Gesichter: Lokales Holz wird über eine Fernheizung verwendet, der Heizölverbrauch beträgt gegenüber früher nur noch einen Viertel, vom Strom sind bereits zehn Prozent Solarstrom – der Rest stammt aus Wasserkraft – und Kälte wird aus der Umgebung bezogen.
Von der Isolation der ersten Gebäude bis zu den energetischen Anforderungen an die 2017 eingeweihten Gebäude: Fast der gesamte Standort von Camille Bloch entspricht den Minergie-Normen.
Das im Jahr 1942 erfundene und bis heute berühmte Ragusa, die 1948 lancierte Torino-Produktlinie oder die mit Likör gefüllten Schokoladen – als fünftgrösste Schweizer Schokoladenherstellerin produziert die Chocolats Camille Bloch SA jährlich rund 3500 Tonnen Schokolade. Die Schokoladenfabrik wurde 1929 in Bern gegründet, zog 1935 nach Courtelary (BE) in eine alte Papierfabrik in der Nähe des Flüsschens Suze im Berner Jura um und beschäftigt heute rund 200 Mitarbeitende. Der Marktanteil in der Schweiz hat sich in weniger als zehn Jahren auf über fünf Prozent verdoppelt. Doch nicht nur Herr und Frau Schweizer mögen die Schokolade aus dem Hause Camille Bloch: 20 Prozent der Produktion sind für den Export bestimmt. Mit der Einweihung der neuen Räumlichkeiten im Jahr 2017 kann die Produktion langfristig verdoppelt werden. Wie das mit der Nachhaltigkeit einhergeht? Problemlos, dank dem Innovationswillen der Traditionsfirma. So veranschaulicht beispielsweise der im Oktober 2017 eingeweihte Erweiterungsbau mit wunderbarem Empfangsbereich für Besucher den Willen zur Umsetzung von Energieeffizienzmassnahmen. Seit 2014 ist die Schokoladenherstellerin Teilnehmerin bei der EnAW. Mit Erfolg: «Die Firma handelt ehrgeizig und rasch und ist offen für Innovationen und Veränderungen», lobt EnAW-Berater Fabrice Marchal.
Wie heisst es so schön – das Auge isst mit. Ein Chocolatier legt deshalb grossen Wert auf die Verpackung seiner Produkte, Camille Bloch auch auf diejenige seiner Anlagen. «Der gesamte Standort entspricht den Minergie – Normen», betont der Leiter Produktion Jean Kernen. Auch im Inneren, entlang der Produktionskette, werden die für die Herstellung von Schokoladenspezialitäten notwendige Wärme und Kälte möglichst effizient eingesetzt. Doch wie kommt die feine Schokolade in die schöne Verpackung? Mit viel Begeisterung und klaren Prozessabläufen. So werden die Kakaobohnen oder Nüsse vor ihrer Verarbeitung geröstet und gemahlen bis eine flüssige Masse entsteht. Trockene Zutaten wie Zucker und Milchpulver werden der Masse beigegeben und alles geknetet. Die daraus entstehende körnige Masse wird zerkleinert und verfeinert. Anschliessend wird die Kakaobutter daruntergemischt und die ganze Masse «conchiert», das heisst bei 60 Grad Celsius während zwölf bis 24 Stunden intensiv vermischt – in Einheiten von drei bis sechs Tonnen. Danach erfolgt die Temperierung mit einem ersten Kühlungsschritt auf 45 Grad Celsius für die Lagerung. Mit der zweiten Abkühlung auf 27 bis 30 Grad Celsius wird die Schokolade in die bekannten Formen gegossen – et voilà!
Und wie sieht es mit der Energie aus? «Unsere Wärme stammt seit 2016 grösstenteils aus einer Fernheizung mit Holz aus der Region, genauer gesagt einer sogenannten Holzschnitzelfeuerung», erzählt Kernen. «Diese wurde 2015 von einem Unternehmer aus Courtelary installiert, der mit Holz aus der Region den Wärmebedarf von Privatpersonen, Institutionen, interessierten Unternehmen und der Gemeinde abdecken wollte.» Eine erfolgreiche win-win-Situation, denn die Camille Bloch wird seither mit erneuerbarer Energie versorgt und die «La Praye Energie SA» hat einen Grossverbraucher gewonnen, der das ganze Jahr über Wärme benötigt. Ausserdem hat eine zufällige Unterhaltung des Unternehmers mit dem Geschäftsführer eines benachbarten Zementwerks, das ebenfalls EnAW-Teilnehmer ist, dazu geführt, dass die Asche aus der Holzfernheizung neu für die Herstellung von Zement verwendet und nicht sinnlos und teuer in einer Deponie gelagert wird. Ein Beispiel für eine mustergültige Verflechtung, die in die Lehrbücher der Industrieökologie gehört.
«Der Einsatz von lokalem Holz hat unseren Heizölverbrauch von 230 000 auf 57 000 Liter pro Jahr sinken lassen – der Ölheizkessel bleibt lediglich zur Sicherheit und Unterstützung erhalten», erklärt der Leiter Infrastruktur Jean-Philippe Simon. Die Energie aus der Holzfernheizung beheizt die Räumlichkeiten und fast alle Systeme, die in die Schokoladenproduktion eingebunden sind. Nur einzelne Heizkörper benötigen noch Strom. Als weitere erneuerbare Quelle erzeugt die auf dem Dach installierte Fotovoltaikanlage jährlich 350 000 Kilowattstunden Strom. Zehn Prozent des Strombedarfs werden nun durch Sonnenenergie abgedeckt. Der Rest der drei Gigawattstunden, die die Fabrik pro Jahr benötigt, stammt ebenfalls aus erneuerbaren Quellen und ist zertifizierter Strom aus Wasserkraft.
Apropos Strom: Der Stromanteil, der für das Rühren der Schokolade verwendet wird, konnte drastisch reduziert werden. Dies dank dem neuen 0.55-kW-Motor mit Zahnradgetriebe, der nur fünf bis zehn Minuten pro Stunde dreht – und das im Vergleich zu den elf 2-kW-Schneckenmotoren, die zuvor ständig laufen mussten. «Gleiches Ergebnis bei 94 Prozent weniger Stromverbrauch», freut sich Simon über ebendiesen Ersatz. Er weist auf weitere Einsparungen beim Druckluftkreislauf hin, die dank angepasster Dimensionierungen, neuer Anlagen und sinnvoller Einsatzzeiten erzielt werden konnten. Die Kehrseite der thermischen Anforderungen, die Kälte, werde ebenfalls teilweise mit Wasserkraft erzeugt. «Die erlaubte Entnahme von 115 000 Kubikmeter Wasser aus dem nahe gelegenen Flüsschen Suze liefert 800 000 thermische Kilowattstunden», erklärt Simon. Seit 2013 werde Kälte zudem auch von einer Free-Cooling-Anlage sowie von Wärmepumpen, die in gewisse Anlagen integriert sind, produziert. Das Brauchwasser, das während der Produktion in Form von kondensiertem Dampf und Wasser aus den Kompressoren des Kältekreislaufs gewonnen wird, wird mit der zurückgewonnenen Wärme erwärmt. «Unsere Bestrebungen betreffen sowohl die Senkung unseres Verbrauchs als auch die Nutzung erneuerbarer Quellen», fasst Kernen zusammen. «Wir machen alles, was vernünftigerweise machbar ist, und sind bereit, etwas mehr zu investieren, um nachhaltige Lösungen einzuführen.»

17.04.2026
Das Wichtigste in Kürze
Die Chocolats Camille Bloch SA produziert jährlich rund 3500 Tonnen Schokolade. Das braucht Energie.
Innovation vom Feinsten: Von der Prozesskette über die Gebäudehüllen, die Schweizer Schokoladenherstellerin legt Wert auf ein nachhaltiges und effizientes Energie-Management.
Deshalb hat das Familienunternehmen in Zusammenarbeit mit der EnAW eine Zielvereinbarung mit dem Bund abgeschlossen.
Ist auch in Sachen Energieoptimierung pünktlich: Die SBB stellt mit Innovationswillen, grossen Ambitionen und Pioniergeist die Weichen für eine energieeffiziente Zukunft.
Effiziente Reparaturstätte: In Zürich-Altstetten werden sowohl Züge als auch das Energie-Management auf Vordermann gebracht.
Ganze 3228 Kilometer betriebene Strecken, 793 Bahnhöfe und Haltestellen und 10 708 Züge pro Tag. Seit 1902 verbindet die SBB die ganze Schweiz und chauffiert täglich rund 1.25 Millionen Reisende zuverlässig von A nach B – ein energieintensives Geschäft. Doch die öffentlich-rechtliche Eisenbahngesellschaft steigt gerade deshalb nicht nur auf den Nachhaltigkeitszug auf, sondern zieht ihn als Energie-Vorbild massgeblich mit.
Ob als Pendler oder Freizeit-Bähnler – die berühmte Uhr am Zürcher Hauptbahnhof verbindet wohl jeder mit Schweizer Pünktlichkeit und der SBB. Was die Wenigsten wissen? Die SBB ist auch in Sachen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz pünktlich. So trägt sie gemeinsam mit anderen bundesnahen Unternehmen im Rahmen der Initiative Energie-Vorbild (VBE) die Energiestrategie 2050 mit: Durch Innovation und ambitionierte Beiträge sollen die Energieeffizienz gesteigert und erneuerbare Energien ausgebaut werden. Hinzu kommen unternehmensspezifische Massnahmen, die jeder Akteur individuell festlegt. Die SBB hat dafür 2012 ein eigenes Energiesparprogramm gestartet, mit dem bis 2025 jährlich 600 Gigawattstunden Energie eingespart werden sollen. Ein ambitioniertes Ziel, entsprechen die geplanten Einsparungen rund 20 Prozent des Energieverbrauches der SBB oder dem Stromverbrauch von rund 150 000 Haushalten. Doch die SBB hält auch diesen Fahrplan ein: 2018 hat sie bereits die Hälfte ihres Ziels erreicht. Dies dank grossem Engagement und erfolgreicher Zusammenarbeit der Mitarbeitenden. Ohne Zugpferde, die die energetischen Anstrengungen über alle Divisionen hinweg zusammenhalten, geht es allerdings nicht. Als Fachspezialist für Energieeffizienz und Teilprogrammleiter «neue erneuerbare Energien» ist Marcel Reinhard eines von ihnen. Innerhalb des gesamten Konzerns tätig, koordiniert das Team Energieeffizienz alle übergreifenden Tätigkeiten im Rahmen des Energiesparprogramms. «Dieses reicht von Rollmaterial, Infrastrukturanlagen und Gebäuden über nachhaltige Beschaffung bis hin zur Verankerung des Nachhaltigkeitsgedankens bei den Mitarbeitenden», so Reinhard.
Obwohl 74 Prozent des gesamten Energieverbrauchs der SBB auf den Bahnstrom zurückzuführen seien, dürfe man den Strom- und Wärmebedarf für Gebäude und Anlagen nicht unterschätzen, weiss Reinhard. Aber auch den kantonalen Energiegesetzen, wie dem Grossverbraucherartikel, gilt es Rechnung zu tragen. Hier kommt die EnAW ins Spiel, welche die SBB seit 2007 zuverlässig begleitet. Mit Erfolg: Aus der Zusammenarbeit mit der EnAW resultieren jährliche Einsparungen von rund 60 Gigawattstunden Energie. Das entspricht ungefähr dem Energieverbrauch aller Haushalte der Stadt Biel. Im Rahmen von 75 Zielvereinbarungen werden an Bahnhöfen, Bürostandorten und Werkstätten in der ganzen Schweiz kontinuierlich energetische Optimierungen vorgenommen. Für die Koordination der rund 4150 Energieeffizienzmassnahmen ist Reinhard divisionsübergreifend zuständig. 4150? Ja. Und es werden immer mehr. So zum Beispiel auf dem Areal rund um den Zürcher Hauptbahnhof. Hier kommt nämlich nicht nur das breite Streckennetz der SBB zusammen, sondern auch die verschiedenen Divisionen. Aufgrund der vielen Verbraucher hängt das ganze Areal an einem eigenen Stromversorgungsnetz, einem sogenannten Mittelspannungsring, welcher die Standorte der verschiedenen Divisionen energietechnisch verbindet. Und das ist nicht das Einzige, was der Zürcher Hauptbahnhof verbindet.
Ein neuer Bahnhof, ein neuer Tunnel und zwei neue Brücken: Die Zürcher Durchmesserlinie ist ein Generationenprojekt und eines der grössten Bauwerke im Bahnsystem Schweiz. Die Durchmesserlinie verbindet Altstetten, den Zürcher Hauptbahnhof und Oerlikon. «Mit ihr brach auch in Sachen Energieeffizienz eine neue Ära an», erinnert sich Thomas Sommer. Der EnAW-Berater der SBB kennt sämtliche Energiefresser und Einsparpotenziale am Zürcher Hauptbahnhof. Gerade die klassischen Haustechnikanlagen wie die Beleuchtung, Lüftung und Kälte seien aufgrund der Vielzahl an Ladenlokalen besonders energieintensiv. «Die Durchmesserlinie löste am Hauptbahnhof Zürich eine Reihe von Massnahmen rund um die Beleuchtung und Kälteversorgung aus», so Sommer. Zuvor musste sich jeder Gewerberaum individuell um seine Kühlung kümmern. «Jede Kältemaschine produzierte auch Abwärme, die wiederum im Laden landete und nicht genutzt werden konnte», erzählt Sommer. Heute wird die Kälte zentral und effizient generiert und verteilt – anstatt Strom sorgt das Limmatwasser als erneuerbare Energiequelle für optimale Konditionen. Das rechnet sich: Sowohl bei der Beleuchtung als auch der Kälteversorgung spare die SBB bereits je über 500 Megawattstunden Energie. Und was merken die Kunden? «Das Ziel ist es, dass durch das Energiesparen keine Komforteinbussen entstehen», so Reinhard.
Was die Passagiere aber sehr wohl zur Kenntnis nehmen, sind verschmutzte Wagons oder defekte Toiletten. Im Reparaturcenter Zürich-Altstetten beheben rund 200 Mitarbeitende Schäden an Einzelwagen und Lokomotiven. Von der Entfernung von Graffitis über die Entkalkung an WC-Systemen bis hin zu modularen Revisionen – und das in teilweise über 100 Jahre alten Gebäuden. Michel Ryser kümmert sich als Fachspezialist für Energie und Umwelt bei der Division Personenverkehr um das Energie- und Anlagenmanagement und weiss: In Altstetten werden nicht nur die Züge auf Vordermann gebracht. So wurde die grosse Werkhalle vor drei Jahren saniert und die Gebäudehülle auf den gesetzlichen Standard gebracht. «Die Herausforderung ist dabei, den denkmalgeschützten Gebäuden und Anforderungen Rechnung zu tragen», so Ryser. Aber auch eine energieeffiziente Arbeitsweise wird grossgeschrieben. Der Schlüssel zum Erfolg? Pilotieren. Denn gerade bei einem Unternehmen mit so vielen Standorten, Fachgebieten und Ansichtsweisen wirken Erfolgszahlen und Erfahrungsberichte überzeugend. «So zum Beispiel beim Projekt Grubenbeleuchtung», erzählt Ryser. «Die Züge in den Serviceanlagen stehen auf Unterhaltsgleisen, damit von unten an den Fahrzeugen gearbeitet werden kann. Bis vor Kurzem waren diese Gleise häufig permanent beleuchtet. Da aber nicht ständig unter den Zügen gearbeitet wird, suchten wir nach einer einfachen Lösung, den Stromverbrauch zu reduzieren.» In Genf und Luzern setzte man deshalb Zeitschaltuhren ein, um den Stromverbrauch zu optimieren. Ein Pilotprojekt, das aufzeigt, wie mit kleinem Aufwand spürbare Ergebnisse erzielt werden können. «Die Ergebnisse dienten als Legitimation zur aktuellen schweizweiten Umsetzung solcher Massnahmen», so Ryser.
Apropos Legitimation: Egal zu welcher Jahreszeit – die Temperatur in Zügen ist ein heikles Thema. Ähnlich wie beim Pilotieren setzt die SBB deshalb auch in diesem Thema auf positive Resonanz. So testete die SBB im Januar 2018, wie eine Temperaturabsenkung um zwei Grad in den Zügen der Zürcher S-Bahn bei den Reisenden ankommt. Aufgrund der positiven Rückmeldungen werden bald über 100 Fahrzeuge der Zürcher S-Bahn umprogrammiert. Das lohnt sich, rechnet die SBB doch mit jährlichen Einsparungen von 1.6 Gigawattstunden Strom. Doch nicht nur die Temperaturregelung birgt grosses Sparpotenzial. Auch die Fahrweise spielt eine wichtige Rolle, denn gerade ungeplante Stopps kosten enorm viel Energie. Nach dem Credo «wer bremst, verliert», klügelte die SBB deshalb das System der adaptiven Lenkung aus. Die sogenannte grüne Welle im Bahnverkehr optimiert per Dispositionstool den Fluss des ganzen Bahnverkehrs. «Besetzt ein Zug einen Streckenabschnitt, wird das dem nachkommenden Lokführer frühzeitig mitgeteilt, sodass er rechtzeitig die Geschwindigkeit reduzieren und dem Konflikt aus dem Weg gehen kann», erklärt Reinhard. Das Ziel der adaptiven Lenkung sei also, unnötige Stopps zu vermeiden, damit die Pünktlichkeit zu erhöhen und Energie zu sparen. Eigentlich sei es wie beim Autofahren: «Über eine grüne Welle freut man sich immer», so Reinhard.
Damit die SBB auch in Sachen Energieeffizienz und Produktion von neuen erneuerbaren Energien pünktlich ans Ziel kommt, sollen mit dem neu lancierten Teilprogramm «neue erneuerbare Energien» bis 2030 jährlich 30 Gigawattstunden Solarstrom produziert werden. Die Fahrt vom Zürcher Hauptbahnhof nach Altstetten zeigt gleich zweifach: Auch hier ist die SBB gut auf Kurs. Denn auf den Serviceanlagen Herdern und Altstetten sind bereits Photovoltaikanlagen installiert. «Nachhaltiger Umgang mit wachsender Mobilität» lautet das firmeninterne Credo. Die wachsenden Passagierzahlen, der stetige Preisdruck sowie die Aufrechterhaltung der Servicequalität münden in einer zunehmenden Komplexität. Auch im Zusammenhang mit der Elektromobilität stehe das bundesnahe Unternehmen vor neuen Herausforderungen: «Durch das Elektroauto schrumpft unser Umweltvorteil gegenüber der Strasse etwas», so Ryser. Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, bleibt die SBB deshalb mit viel Engagement daran und stellt so die Weichen für eine nachhaltigere Zukunft.

17.04.2026
Das Wichtigste in Kürze
Energieeffizienz steigern und erneuerbare Energien fördern: Gemeinsam mit anderen bundesnahen Unternehmen trägt die SBB im Rahmen der Initiative Energie-Vorbild (VBE) die Energiestrategie 2050 mit.
2012 hat die SBB dafür ein eigenes, umfassendes Energiesparprogramm auf die Beine gestellt.
Auch die Zusammenarbeit mit der EnAW trägt Früchte: 60 Gigawattstunden Energie spart die SBB dadurch jährlich ein.
Weg von fossilen Energieträgern und hin zu erneuerbaren Energien. Für die beiden Schweizer Biopioniere Biotta AG und Rathgeb Bio ist das (bio-)logisch. Dank der gemeinsamen Holzschnitzelheizung, die kürzlich in Betrieb genommen wurde, sparen die beiden Unternehmen in Tägerwilen jährlich 2500 Tonnen CO2 ein. Eine Kooperation, die auch bei der EnAW für Begeisterung sorgt.
Die gemeinsame Holzschnitzelheizung in Tägerwilen ist in Sachen Nachhaltigkeit schweizweit ein Leuchtturmprojekt. Die Initiatoren dahinter: Thomas Meier (Zweiter von links) und Markus Gschwandtner (Dritter von links).
Tägerwilen im Kanton Thurgau, direkt beim Hauptsitz der Biotta AG und nur wenige Gehminuten von den Gewächshäusern der BioFresh AG entfernt. Es riecht holzig-harzig, fast schon würzig. Nicht gerade Düfte, die man mit der Biosaftproduktion oder dem Gemüseanbau assoziiert. Zumindest nicht im ersten Moment. Denn in Tägerwilen hat das eine sehr wohl etwas mit dem anderen zu tun. Gemeint ist die im Spätherbst in Betrieb genommene, gemeinsame Holzschnitzelheizung, die den beiden Biobetrieben die benötigte Energie für das Tagesgeschäft liefert. Was es dafür braucht? Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, dieselbe Vision in Sachen Energiezukunft und das Einstehen für nachhaltige Projekte.
Man nehme zwei Pioniere aus der Schweizer Biolandschaft – einen Biosaftproduzenten und einen Biogemüsebaubetrieb – und erhalte eine innovative und weitsichtige Kooperation. Die Liebe zur Natur, die konsequente Ausrichtung auf die biologische Landwirtschaft, die nachhaltige Betriebsphilosophie, der Anspruch auf höchste Kundenzufriedenheit und die Teilnahme am Energie-Management der EnAW: Biotta und Rathgeb Bio haben einiges gemeinsam. So auch das unermüdliche Streben nach möglichst innovativen und nachhaltigen Lösungen. Deshalb haben die beiden Schweizer Biopioniere unabhängig voneinander mit Unterstützung der EnAW eine Zielvereinbarung mit dem Bund zur Reduktion der CO2-Emissionen und der Steigerung der Energieeffizienz abgeschlossen. Das Ziel? Weg von fossilen Energieträgern, hin zu nachhaltigen Energiequellen. Wie das geht? Gemeinsam. Und mit Geduld.
Vor fünf Jahren haben sich Thomas Meier, Leiter Finanzen und Support von Rathgeb, und Markus Gschwandtner, Leiter Finanzen und Administration von Biotta, zum ersten Mal an einen Tisch gesetzt. «Unsere Gewächshäuser brauchen Energie, damit die Nutzpflanzen warm, trocken und gesund Hochleistungen erbringen, auch wenn der weitaus grösste Teil der Energie direkt von der Sonne kommt», weiss Meier. Zwar habe sich die Energieeffizienz in den Gewächshäusern in Tägerwilen dank grosser Investitionen bereits deutlich verbessert, «trotzdem ist es unser Ziel, noch nachhaltiger zu werden und die CO2-Bilanz weiter zu verbessern», so Meier. Auch Biotta setzt im Bereich Energieeffizienz auf hohe Standards. «Nachhaltigkeit liegt in der DNA von Biotta. Ob der hohen CO2-Belastung wollten wir deshalb weg vom Heizöl als Energieträger», sagt Gschwandtner. Eine baldige Sanierung der Heizanlage stand beim führenden Biosaftproduzenten also ohnehin an – ideales Timing, denn auch das Nachbarsunternehmen Rathgeb suchte für die Beheizung ihrer Gewächshäuser nach einer möglichst wirtschaftlichen Methode aus erneuerbaren Energieträgern.
So viel ist klar: Für beide Unternehmen wäre eine Lösung mit erneuerbaren Energien im Alleingang wirtschaftlich nicht möglich gewesen. Bei einem Gemeinschaftsprojekt dieser Dimension dürfe man aber die administrativen Aufwände nicht unterschätzen, weiss Gschwandtner. Wer braucht wie viel Energie, wie schaut der Zusammenarbeitsvertrag aus, wie wird das Projekt gemeinsam finanziert, wie funktioniert die Abrechnung? Fragen, auf die Gschwandtner und Meier während der letzten fünf Jahre Antworten suchten. Und fanden. «Das Ganze unter einen Hut zu bringen, war eine grosse Herausforderung», erklärt Gschwandtner. Schliesslich seien Biotta und Rathgeb doch zwei verschiedene, unabhängige Unternehmen. Auch der EnAW-Berater von Rathgeb, Martin Steiger, weiss: «Eine erfolgreiche Kooperation in dieser Konstellation ist speziell. Rathgeb braucht mehr Energie in Form von Warmwasser, Biotta dafür aber Dampf.» Dass die Unternehmen hier einen Kompromiss gefunden haben, so der EnAW-Berater, sei lobenswert.
Nicht minder lobenswert sind die Resultate. Dank des übergeordneten, komplexen Steuerungssystems wird auch die Wettervorhersage miteinbezogen und die optimale Energieversorgung garantiert. Drei Prozent des jährlichen Holzzuwachs im Kanton Thurgau – das sind rund 5300 Kubikmeter regionales Schlagholz: So viel Holzschnitzel werden pro Jahr direkt vor den Türen von Biotta in Tägerwilen angeliefert und in der neuen Holzschnitzelheizung verbrannt. Die daraus resultierende Wärme wird über die Fernwärmeleitung in den Speicher von Rathgeb geschleust, der Dampf gelangt in die Produktionskette von Biotta. Das Ergebnis? Eine Nennleistung von 2.4 Megawatt. Wird die Energierückgewinnung mittels Wärmepumpe und der Rauchgaskondensation addiert, vergrössert sich die Leistung auf 3.0 Megawatt.
Allerdings liegen die Energiekosten mit dieser Gemeinschaftslösung für beide Unternehmen etwa 20 bis 30 Prozent höher als mit der herkömmlichen Energiezufuhr. Um einem Teil dieser fehlenden Wirtschaftlichkeit entgegenzuwirken, erhielt das Projekt Fördergelder von der Stiftung KliK und dem Kanton Thurgau. «Die Wirtschaftlichkeit eines solchen Projektes ist ein wichtiger Pfeiler. Aber wir sind bereit, den Mehrpreis zugunsten der Nachhaltigkeit zu zahlen», sagt Meier und hofft, dass es ihnen die Kunden, Konsumenten und Enkelkinder einmal danken werden. Ob sich die Investition im Millionenbereich finanziell gelohnt hat, werde sich erst in der Zukunft zeigen und hängt stark von den Preisentwicklungen der verschiedenen Energieträger ab. Aus der Nachhaltigkeitsoptik lohne sich die Anlage aber allemal: 2500 Tonnen CO2 sparen Biotta und Rathgeb mit der neuen Holzschnitzelheizung jährlich insgesamt ein. Und dem ist nicht genug: Dank der Einsparungen sind alle Produktionsprozesse und das Heizen der Gebäude von Biotta zu 100 Prozent CO2-neutral, die Gewächshäuser von Rathgeb zu 75 Prozent. Und die restlichen 25 Prozent? «Wir werden gemeinsam mit der EnAW die Gewächshäuser genauer unter die Lupe nehmen und versuchen, die restlichen 25 Prozent auch noch fossilfrei erzeugen zu können», antwortet Meier. Denn: Das mit der Nachhaltigkeit ist ein fortwährender Prozess.

17.04.2026
Das Wichtigste in Kürze
Innovative und nachhaltige Lösungen sind sowohl beim Biosaftproduzenten Biotta AG als auch beim benachbarten Gemüsebauern Rathgeb Bio in der Betriebsphilosophie verankert. Das Ziel: Weg von fossilen Energieträgern.
In Zusammenarbeit mit der EnAW haben die beiden Bio-Pioniere unabhängig voneinander eine Zielvereinbarung mit dem Bund abgeschlossen und sich dazu verpflichtet, die Energieeffizienz zu steigern und den CO2-Ausstoss zu senken.
Gemeinsam haben sie Grosses geschafft: Dank der gemeinsamen Holzschnitzelheizung, einem schweizweit einzigartigen Projekt, sparen die beiden Unternehmen jährlich insgesamt 2500 Tonnen CO2 ein.
Die seit dem 19. Jahrhundert praktizierte Zementproduktion generiert grosse CO2-Emissionen. Es gibt aber viele Möglichkeiten, diesen Ausstoss stark zu reduzieren. Wie das geht, zeigt die Vigier Ciments AG in Péry im Berner Jura: In Zusammenarbeit mit der EnAW entwickelt sie eine ganze Reihe von Massnahmen, um die CO2-Bilanz ständig und beträchtlich zu verbessern.
Am Standort Péry-Reuchenette (BE) wurden die CO₂-Emissionen seit 1990 um 34 Prozent reduziert. Bis 2021 sollen es 40 Prozent werden.
Die Vigier Ciments AG feiert bald ihr 150- jähriges Bestehen. 1871 in Luterbach (SO) von Robert Vigier gegründet, produzierte sie als erstes Unternehmen in der Schweiz Portlandzement, bei welchem Kalziumsilikate und Kalk gemischt und gemeinsam erhitzt werden. Eine Revolution in der Baubranche. 1891 wurde dafür in Péry ein neuer Produktionsstandort eröffnet, der hinsichtlich Geologie, Energie und Transport ideal gelegen ist. Heute beschäftigt das Unternehmen an 37 Standorten unterschiedlicher Ausrichtung und Grösse in der Schweiz 1100 Personen. Das ist für EnAW-Berater Erich Lüdi, der das Unternehmen bei der Umsetzung von Energieeffizienzmassnahmen begleitet, eine spannende Herausforderung. Seit 2001 gehört die Vigier Ciments AG zum französischen Konzern Vicat. Das sei gewissermassen ein Schritt «zurück zu den Wurzeln». Denn Louis Vicat erfand 1817 den Industriezement und trat 1840 als Initiator für den Portlandzement auf.
Für die Zementherstellung in Péry wird Kalkstein zu Rohmehl vermahlen, das anschliessend mit 20 Prozent Mergel versetzt wird, bevor alles bei 1450 Grad Celsius im Ofen gebrannt wird. Dazu muss die Temperatur der Flamme im Ofen 2000 Grad Celsius betragen. So entsteht der Zementklinker, der dann zu Zement vermahlen wird. Je feiner das Pulver, desto höher ist die Druckfestigkeit des Zements. Beim Brennen des Kalksteins und des Brennstoffs wird eine Menge CO2 freigesetzt: Die Zementfabrik in Péry verursacht ein Prozent der CO2-Emissionen der Schweiz. Auf den Schweizer Zementsektor insgesamt entfallen sogar fünf bis sechs Prozent. Dieser Wert geht aber immer weiter zurück – und das nicht von selbst. Olivier Barbery, seit Juni 2015 Direktor des Standorts Péry, zeigt eine beeindruckende Liste der Massnahmen, die direkt im Unternehmen, aber auch in dessen Umfeld umgesetzt wurden: Nutzung lokaler Ressourcen bei Rohstoffen oder Energie, achtsame Durchführung von Transporten oder die Einhaltung von Baunormen.
«In einem Familienkonzern bestehen Möglichkeiten, auch ganz besondere Initiativen umzusetzen», freut sich Olivier Barbery. Ein Beispiel dafür ist der 2018 gelieferte, ausschliesslich elektrisch betriebene Dumper – eine Weltpremiere. Ein Dumper ist ein riesiger Lastwagen, der 65 Tonnen Gesteinsmaterial transportieren kann. Dieser E-Gigant entstammt einer Partnerschaft zwischen dem Hersteller, dem Importeur, einem Ingenieurbüro, einer Bieler Hochschule und der Vigier Ciments AG, die das Projekt zu zwei Dritteln finanziert hat. Der Dumper befördert das Aushubmaterial aus der Kiesgrube zu einer Brechanlage. Von da aus wird der Kies über ein 2.3 Kilometer langes Förderband in die Fabrik transportiert. «Mit diesem 2001 eingeweihten Förderband konnten wir die LKW-Transporte bereits reduzieren. Mit unserem neuen E-Dumper können wir weitere 55 000 Liter Diesel pro Jahr einsparen. Die Transporte sind leise, verursachen keine CO2– oder Feinstaubemissionen und beim Bergabfahren werden die Batterien per Rekuperation aufgeladen», erklärt Barbery. Eine Investition, die sich auszahlt. Dank dem E-Dumper kann das Unternehmen seine CO2-Emissionen nämlich weiter senken: Seit 1990 sind sie um 34 Prozent zurückgegangen, angepeilt wird ein Ziel von 40 Prozent bis 2021.
Zwei Drittel der CO2-Emissionen der Fabrik sind auf die Umwandlung von Kalkstein in Kalk zurückzuführen. Der Rest ergibt sich aus der Verbrennung zur Wärmeproduktion. Seit 1976 versucht Vigier, die fossilen Brennstoffe durch eine breite Palette an alternativen Brennstoffen zu ersetzen: Altholz, Schlamm, Tabakstaub, tierische Fette und Tiermehl oder auch alte Lösungsmittel und Altöl. «Unsere Wärme wird heutzutage zu 87 Prozent aus alternativen Brennstoffen gewonnen. Vigier gehört europaweit zu den Top drei auf diesem Gebiet und überschreitet die 65-Prozent-Marke, die 2018 von sämtlichen Schweizer Zementwerken erreicht wurde, deutlich», meint Barbery.
«Da bei der Produktion einer Tonne Klinker 0.72 Tonnen CO2 freigesetzt werden, reduziert sich der CO2-Fussabdruck, je weniger Klinker sich im Zement befindet», weiss Barbery. Reiner Klinker, bekannt unter dem Namen CEM I, sollte nur für anspruchsvolle Anwendungen eingesetzt werden. 1995 hat Vigier eine erste Generation an Zementen auf den Markt gebracht, bei denen Klinker und hochwertiger Rohkalkstein, der aus dem Steinbruch des Unternehmens stammt, vermischt werden. Momentan enthalten diese Sorten zwischen 17 und 27 Prozent nicht erhitzte Materialien. Dieser Anteil kann noch gesteigert werden: Die Zemente der Klasse CEM II können bis zu 70 Prozent Stahlwerkschlacke enthalten. Und sie haben sich bewährt. Trotzdem: «Leider schreiben viele architektonische Normen noch immer einen grossen Anteil am klassischen CEM I vor, obwohl das umweltfreundlichere CEM II dafür absolut geeignet wäre», so Barbery. Laut ihm müssen diese Normen unbedingt überarbeitet werden. Denn: Klimaschutz sei tatsächlich eine kollektive Herausforderung.
Um genau dieser Herausforderung gerecht zu werden, prüft das Unternehmen weitere Möglichkeiten, um den CO2-Ausstoss kollektiv zu vermindern. Der Vicat-Konzern beteiligt sich an Pilotprojekten in Frankreich, um CO2 zu binden, um es zu lagern oder in Methan umzuwandeln. Ausserdem soll die Porosität des Betons von 30 auf 60 Prozent erhöht werden, um die Reabsorption des CO2 zu beschleunigen. Aber auch Vigier selbst ist in Sachen Nachhaltigkeit gut auf Kurs: «Wir betreuen unser eigenes Wasserkraftwerk, sind zu 50 Prozent an sieben weiteren Schweizer Kraftwerken beteiligt, setzen in unserer Produktionskette Elektromotoren der letzten Generation ein, nutzen LED-Beleuchtungen, produzieren mit unserem langen Förderband Energie, und und und», so Barbery. «All diese Wege zur Verringerung der CO2-Emissionen beeinflussen die Höhe des CO2-Fussabdrucks der Zementproduktion, die für unsere Gesellschaft unabdingbar ist.»
Schon lange gehört der Zoo Zürich zu den beliebtesten Ausflugszielen der Schweiz. Als Botschafter zwischen Mensch, Tier und Natur macht er die natürlichen Lebensräume von Elefanten, Affen oder bald auch Giraffen für Besucher aus aller Welt erlebbar – eine energieintensive Angelegenheit.
Tropisches Klima im Masoala Regenwald: Der Zoo Zürich glänzt mit einem ausgeklügelten Energiesystem.
«Der frisst nur Ökostrom» steht auf dem kleinen Transporter, der vor dem Eingang an den ersten Besuchern des Tages vorbeifährt. Für Wärmepumpen, LED-Leuchten und Fotovoltaikanlagen steht hier allerdings wohl kaum jemand Schlange. Denn rund 4800 Tiere und 375 Arten warten darauf, entdeckt zu werden. Ob tropisch, trocken, kalt oder nass – für alle Tier- und Pflanzenarten werden hier optimale Konditionen geschaffen. Seit 20 Jahren für alle Bauprojekte verantwortlich ist Andreas Hohl. Der stellvertretende Direktor kennt nicht nur die Anlagen des Besucherbereichs wie seine Westentasche. Auch was hinter den Kulissen eines der sich am schnellsten weiterentwickelnden Zoos Europas passiert, verantwortet der Kulturingenieur mit seinem Team. «Ich habe einen echten Traumjob», erzählt er. Denn an der Schnittstelle zu Planern, Architekten, Unternehmen und andern Fachexperten sei im Zoo Zürich immer etwas los. Einer dieser Experten ist Tom Pesenti. Seit vielen Jahren berät er Hohl und den Zoo Zürich im Rahmen der Teilnahme bei der EnAW beim Energie-Management.
«Ein Zoo ist immer energieintensiv», weiss Hohl. Die grösste Rolle spiele dabei das Thema Wärme. «Bei uns sind exotische Tiere und Pflanzen zu Hause, die genau definierte Lufttemperaturen oder perfekt temperiertes Wasser brauchen.» Besonders im Masoala Regenwald falle das den Besuchern auf. Schon beim Betreten der im Jahr 2003 eröffneten Halle sieht man nämlich … nichts. Denn die Brillengläser sind vom tropischen Klima des Regenwalds sofort beschlagen. Der Masoala Regenwald wird mit einem ausgeklügelten System beheizt und gekühlt, um den Energieverbrauch tief zu halten. 48 Erdsonden, die rund 220 Meter in der Tiefe liegen, erzeugen über eine Wärmepumpe den grössten Teil der benötigten Wärme. «Früher haben wir hier teilweise auch mit Öl geheizt», so Hohl. Bereits vor der Installation der Sonden setzte sich der Zoo deshalb Mitte der 1990er-Jahre für ein eigenes Wärmenetz ein, das mit einer Hackschnitzelfeuerung betrieben wird. Die daraus gewonnene Wärme ist also CO2-neutral. Diese Umstellung zeigt sich in der CO2-Bilanz des Zoos deutlich, wie EnAW-Berater Pesenti weiss: «Früher stiess der Zoo über 800 Tonnen CO2 pro Jahr aus. Mit der Umstellung auf die Holzschnitzelheizung liegt dieser Wert heute noch bei knapp 40 Tonnen.» Die CO2-Reduktionsziele aus der Zielvereinbarung, die der Zoo in Zusammenarbeit mit der EnAW mit dem Bund abgeschlossen hat, werden so jedes Jahr erreicht.
Was in der Realität Tausende Kilometer voneinander entfernt liegt, ist in Zürich nur ein Katzensprung. Vom madagassischen Masoala Regenwald ist man in wenigen Minuten bei einem weiteren Highlight angelangt: dem thailändischen Kaeng Krachan Elefantenpark, der 2014 eröffnet wurde. Was ins Auge sticht? Das 6800 Quadratmeter grosse geschwungene Dach der Innenanlage. Es verfügt über 271 Fenster aus UV-durchlässiger ETFE-Folie, um die Wärme zusätzlich zum Wärmenetz möglichst energieeffizient mit Sonnenlicht sicherzustellen. Denn natürlich wurde beim Bau des Parks grosser Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Vom Dach wird ausserdem Regenwasser gesammelt, das für die Bewässerung, die Sandbefeuchtung und die Entstaubung der Pflanzen verwendet wird. Das zeigt: Der Zoo Zürich hat hier nichts dem Zufall überlassen. Nicht einmal die Namensgebung. Denn im Kaeng Krachan Nationalpark in Thailand leistet der Zoo Zürich im Rahmen eines Naturschutzprojekts ein grosses Engagement. «Wir versuchen unsere Besucher für die Schönheit und die Anliegen der Tierwelt zu sensibilisieren und tragen dazu bei, bedrohte Tiere und Ökosysteme langfristig zu erhalten», erklärt Hohl. Der Zoo Zürich engagiere sich daher weltweit in acht Naturschutzprojekten. Der Kaeng Krachan Nationalpark in Thailand ist neben dem Masoala Regenwald in Madagaskar eines davon.
Der Kanton Zürich war 1997 der erste Kanton mit Grossverbraucherbestimmungen im kantonalen Energiegesetz. Heute nehmen bereits über 750 Zürcher Grossverbraucher wie der Zoo Zürich erfolgreich am Energie-Management der EnAW teil. Hans-Ulrich BigIer, Vizepräsident der EnAW, ist von dessen Engagement begeistert: «Biogas aus Tiermist, Wärme aus der Holzschnitzelheizung, Ökostrom, Fotovoltaik, Regenwasser, LED-Leuchten – der Zoo Zürich macht in Sachen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz tatsächlich alles richtig.» Der Zoo trage gemeinsam mit anderen Zürcher Unternehmen massgeblich dazu bei, dass die Schweiz ihre klimapolitischen Ziele erreiche. Die Zahlen sprechen für sich: Rund 39 000 Tonnen CO2 haben die teilnehmenden Unternehmen des Kantons Zürich allein von 2013 bis 2018 kumuliert eingespart. Auch EnAW-Berater Pesenti ist stolz auf die Leistungen des Unternehmens: «Der Zoo Zürich ist ein Vorzeigeunternehmen. Es ist ein Privileg, Herrn Hohl mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.»

17.04.2026
Das Wichtigste in Kürze
Als Botschafter zwischen Mensch, Tier und Natur und als Zentrum für den Naturschutz arbeitet der Zoo Zürich stetig daran, Ressourcen zu schonen und die eigene Nachhaltigkeit zu optimieren.
Der Zoo Zürich ist klimaneutral. Er hat eine freiwillige Zielvereinbarung mit der Energie-Agentur der Wirtschaft unterzeichnet. Darin verpflichtet er sich zu einer weiteren Einsparung von CO2.
Der Zoo Zürich bezieht zu 100 Prozent Ökostrom. Er stammt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen wie Wasser, Sonne, Biomasse und Wind. Zusätzliche Energie produzieren zooeigene Photovoltaikanlagen und Solar-Panels.
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